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Hoppe, Rudolf

Der erste Thessalonikerbrief

Kommentar
Art.-Nr.: 978-3-451-31225-0
Seiten/ Ausstattung: 368 Seiten
Einband: Einband - fest (Hardcover)
Verlag: Verlag Herder
Erscheinungsdatum: 09.02.2016
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39,99 € 
Der erste Thessalonicherbrief wird heute gewöhnlich als die älteste Schrift des Neuen Testaments angesehen. Da er bald nach der Gründung der Gemeinde von Thessaloniki entstand, lässt sich an ihm besonders gut ablesen, welche Fragen und Probleme eine junge Christengemeinde in einer hellenistischen Großstadt umtreiben konnten. Außerdem sind Rückschlüsse auf die Erstverkündigung des Paulus möglich.

Rudolf Hoppes Kommentar, Frucht einer mehr als zwanzig Jahre währenden Beschäftigung mit dieser Schrift, legt besonderes Augenmerk auf diese beiden Fragerichtungen. Vor dem erklärenden Durchgang durch den Text werden, der Gattung eines exegetischen Kommentars entsprechend, die historischen Entstehungsbedingungen sowie die literarischen und theologischen Merkmale besprochen. Im Hinblick auf Abfassungsort und Abfassungszeit folgt der Autor mit gutem Grund der verbreiteten Einschätzung, Paulus habe den Brief im Jahr 50 in Korinth geschrieben. Diese geschichtliche Verortung wird erhellend eingebettet in übergreifende Zusammenhänge: in den Weg der Christusbotschaft in die hellenistische Welt; in die Besonderheiten des antiken Thessaloniki (Geschichte, soziale Struktur, überaus vielfältiges religiöses Leben); in die Gegebenheiten des missionarischen Wirkens des Paulus, zu deren Rekonstruktion mit der Apostelgeschichte eine zweite, kritisch auszuwertende Quelle vorliegt. In Absetzung von deren Darstellung (Apg 17,1-10) sieht Hoppe die Adressatenschaft des paulinischen Wirkens vor Ort wie auch des Briefes nicht jüdisch geprägt. Die neue Existenz in Christus führte für die Glaubenden in Thessaloniki zur Erfahrung der Ausgrenzung, und zwar im Hinblick auf ihre heidnische Mitwelt. So muss Paulus „die Frage nach dem ‚Gewinn‘ des Evangeliums gegenüber ihren bisherigen Lebenskonzepten“ im Brief bearbeiten. Als thematische Schwerpunkte erkennt Hoppe die Danksagung für den Glaubensweg der Adressaten, die Beziehung zwischen Paulus und Gemeinde sowie die Darlegung einer neuen Ethik - nachdrücklich eingeschärft durch die Betonung der baldigen Wiederkunft Christi.

Die Kommentierung folgt nach der Übersetzung einem bewährten Dreischritt. Die Analyse ordnet den jeweiligen Abschnitt in den Zusammenhang ein, erfasst die sprachliche Struktur und kann - je nach gegebenem Text - weitere Fragen verfolgen wie die nach der Verwendung von geprägten Gattungen oder vorgegebenen Überlieferungen. Die Einzelauslegung - also die Erklärung des Textes an dessen einzelnen Aussagen entlang - wird eingehend und gründlich durchgeführt. Hoppe hat dabei, wie für einen exegetischen Kommentar nicht anders möglich, den griechischen Text im Blick, bietet aber in den meisten Fällen selbst zu einzelnen Begriff en die deutsche Übersetzung. Leser ohne Griechischkenntnisse werden das Werk nicht unbedingt mühelos, aber ebenso wie die Fachleute mit Gewinn lesen. Dazu trägt auch der dritte Schritt der Kommentierung bei, der als Zusammenfassung die wesentlichen Aspekte eines Abschnitts bündelt und gegebenenfalls dessen bleibende Aktualität oder Problematik diskutiert. Hoppe scheut sich nicht, auch Grenzen eines Textes zu benennen (etwa zu der schwierigen Passage 2,14-16).

Sein Kommentar ist ein zuverlässiger Wegführer in den ersten Thessalonicherbrief und damit zugleich in die Frühphase der selbstständigen Mission des Paulus. Wer Freude hat an klarer Sprache, an sorgfältiger Argumentation und an einem soliden exegetischen Urteil, wird Freude an diesem Kommentar haben.

Gerd Häfner