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Kuschel, Karl-Josef

Martin Buber - seine Herausforderung an das Christentum

Art.-Nr.: 978-3-579-0708
Seiten/ Ausstattung: 368 S. 21,5 x 13,5 cm
Einband: gebunden
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erscheinungsdatum: 04.2015
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24,99 € 
Warum es gut ist, sich an den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber zu erinnern, der vor fünfzig Jahren gestorben ist, veranschaulicht Karl-Josef Kuschel. Von der Kirche ist viel beschämender Antijudaismus propagiert worden. Immer noch gibt es viel Ignoranz, Missachtung gegen die Juden, worauf der Autor aufmerksam macht. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte sich mit seiner auf den Dialog mit dem Judentum bezogenen Erklärung „Nostra Aetate“ sehr schwergetan. Spätestens seit der Schoah (hebräisch „Verheerung, Katastrophe“) müssen wir Paulus ernstnehmen: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel dich.“

Kuschel sieht das christliche Defizit und erinnert daran, dass Buber, von dem sich das „offizielle“ Judentum allerdings nicht repräsentiert sieht, einer der Ersten war, der von jüdischer Seite das Tabu brach: von seinen ersten „Reden über das Judentum“ (1911) bis zu dem Buch „Zwei Glaubensweisen“ (1950) wächst ihm die Gestalt Jesu, den er seinen „großen Bruder“ nennt. Freilich ist es der „palästinensische Jesus“, keineswegs der Christus, den Paulus und Johannes herausheben. Denn einen „Messias“, der bereits gekommen wäre, kann Buber als Jude von seinem Glauben her nicht annehmen.

Buber hatte schon als Schüler eines polnischen Gymnasiums in Lemberg die Minderheits-Position der Juden erfahren und im Lauf seines Lebens „jüdisch-christliche Religionsgespräche“ erlebt, sich als glaubender Jude behauptet - eine Seite in seiner Lebensgeschichte, die zeigt, wie er als wacher Zeitgenosse am Christentum gar nicht vorbei konnte. Das betont Jüdische an seinem Profil, womit er unbequem ist, neben der Neu-Entdeckung der chassidischen Tradition und des Zionismus, leider oft unterschlagen, hebt Kuschel gut heraus, ergänzt also die umfassend und flüssig geschriebene Biografie nach ihrer theologischen Innenseite. Er dokumentiert vieles, vergisst nicht die gemeinsame Aufgabe von Juden und Christen - und die notwendige andere Israel-Theologie der Christen.

Lorenz Wachinger